Artikel vom: 18.05.2011
Unter den Flügeln des Phönix
Eine Ausstellung im Stadtarchiv Dresden beschäftigt sich derzeit mit einem Thema, über das die meisten Menschen lieber nicht nachdenken. Unter den Flügeln des Phoenix heißt die Schau, in der es um Geschichte und Bedeutung von Feuerbestattungen geht. Anlass ist das 100jährige Jubiläum des Krematoriums Tolkewitz.
Die Geschichte der Leichenverbrennung hat 1874 begonnen. Die Engländerin Lady Dilke hatte diese Art der Bestattung testamentarisch verfügt – die technischen Möglichkeiten gab es in England aber nicht. Und so ist die weltweit erste moderne Leichenverbrennung im Dresdner Glaswerk der Firma Siemens durchgeführt worden. Die sterblichen Überreste der Lady Dilke sind in der Ausstellung zu sehen.
In den darauffolgenden Jahren haben sich immer mehr Menschen für die Kremation interessiert.
O-Ton Jens Börner, Leiter Krematorium/Urnenhain Tolkewitz
Unter der Leitung des damaligen Stadtbaurates Hans Erlwein ist 1909 mit dem Bau des Krematoriums in Tolkewitz begonnen worden. Der Reformarchitekt Fritz Schumacher stand dabei vor einer doppelten Herausforderung. Zum Einen musste die Anlage funktionalen Ansprüchen genügen. Zum Anderen sollte aus ästhetischer Sicht ein Ort der Abschiednahme und Erinnerung geschaffen werden.
O-Ton Ulrich Hübner, Kunsthistoriker und Ausstellungskurator
Heute liegt der Anteil an Feuerbestattungen in Sachsen bei 90 % - deutschlandweit sind es etwa 50%. Von Seiten der DDR sind Einäscherungen ausdrücklich befürwortet worden. Im kirchlichen Raum sorgte die Leichenverbrennung dagegen lange für vehementen Widerstand. Seit 1965 ist die Kremation in der katholischen Kirche zwar geduldet, aber oft nicht gern gesehen. In Tolkewitz herrschte diesbezüglich ein recht liberaler Geist.
O-Ton Jens Börner, Leiter Krematorium/Urnenhain Tolkewitz
Immer mehr Menschen entscheiden sich für die Urne und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die Kosten sind geringer als bei einer Erdbestattung und die Grabpflege weniger aufwendig. Die Kremation bietet zudem Spielraum für eine ganz individuelle Bestattung, wobei der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind.
O-Ton Ulrich Hübner, Kunsthistoriker und Ausstellungskurator
Bis Mitte August ist die Ausstellung im Stadtarchiv zu sehen, danach wird sie im Museum für Sepulkralkultur in Kassel gezeigt, anschließend ist eine Dauerausstellung in Tolkewitz geplant.
Externe Links
Quelle: DRESDENEINS









